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Hormonelle Regulation und Mechanismus der Natriumpumpe der Zellmembranen von Säugerzellen


Alle lebenden Säugerzellen zeigen hohe intrazelluläre K+- und niedrige Na+-Konzentrationen bei hohen extrazellulären Na+- und niedrigen K+-Konzentrationen. Ursache dieses physiologischen Ungleichgewicht ist die Natriumpumpe der Zellmembranen der Tiere, die von Jens Christian Skou 1957 entdeckt wurde (Nobelpreis 1997). Die Natriumpumpe ist Vorraussetzung für die elektrische Erregbarkeit lebender Zellen und in Verbindung mit ensprechenden Transportern und Austauschern eine Voraussetzung für die Aufnahme von Nähr- und Baustoffen gegen einen Konzentrationsgradienten sowie die Regulation des intrazellulären pH-Wertes und der Calcium-Konzentration (Bild 1).

Bild 1: Aufgaben der Na+/K+-ATPase 

Die Natriumpumpe der Zellmembranen exportiert als Na+/K+-ATPase (E.C.3.6.1.37) unter Spaltung eines Mols ATP zu ADP und anorganischem Phosphat drei Mole Na+ aus der Zelle heraus und zwei Mol K+ in die Zelle hinein. Wesentliche kinetische Eigenschaften dieses Pumpprozesses können mit Hilfe des Albers-Post-Modells beschrieben werden (Bild 2). Dieses Modell nimmt an, daß die katalytische a-Untereinheit zwischen einer Na+- und einer K+-Konformation oszilliert und daß eine einzige Untereinheit für den Ionentransport ausreicht.

Bild 2: Albers-Post Modell 

Eigene Untersuchungen zeigen jedoch, daß der Pumprozess der Interaktion von zwei a-Untereinheiten und der auf ihnen vorhandenen ATP Bindungstellen bedarf. Die Natriumpumpe arbeitet somit als (ab)2-Diprotomer (Bild 3), in dem Na+- und K+-Konformationen sowie hoch- und niederaffine ATP-Bindungsstellen zur gleichen Zeit vorkommen. Wie die ATP-Hydrolyse in den vektoriellen Transport umgewandelt wird, ist auf molekularer Ebene unbekannt.
 
 
Bild 3: Abstände im (ab)2-Diprotomer
Bild 4: Struktur von g-Strophanthin

Seit mehr als 200 Jahren behandeln Ärzte die Herzwassersucht mit Digitalis, einem Inhaltsstoff des roten Fingerhuts. Das kardiotone Steroid Digitalis ist ein spezifisches Gift der Natriumpumpe der Zellmembranen der Säugerzellen. Kürzlich konnte die Giessener Arbeitsgruppe zeigen, daß Ouabain (g-Strophanthin) (Bild 4) in den Nebennieren des Rindes vorkommt und als neuartiges Steroidhormon bei Säugetieren  und Menschen unter Kreislaufbelastung vermehrt ins Blut ausgeschüttet wird. Ouabain wurde bei 50% der Patienten mit essentieller Hypertonie erhöht gefunden und ist somit wesentlich an der Entstehung dieser Krankheit beteiligt (Bild 5). Ebenso wie für alle anderen Steroidhormone existiert auch für Herzglykoside ein spezifisches Bindungsglobulin im Blut, das vermutlich Zellen vor unphysiologisch hohen Blutkonzentrationen an Ouabain und anderen cardiotonen Steroiden (Cardenolide, Bufadienolide) schützt. Die Interaktion des neuen kardiotonen Steroidhormons Ouabain mit anderen Hormonen des Salz-und Wasserhaushaltes sowie der Herzfunktion ist derzeit unbekannt, ebenso wie die Regulation der Freisetzung und der Biosynthese.

Bild 5:  Regulation der Ouabain-Freisetzung und Ouabain-Wirkung auf Herz und Kreislauf.

 Die Arbeitsgruppe untersucht daher:

Die Arbeitsgruppe ist Mitglied der Studiengruppe Biomembranen der Gesellschaft für Biologie und Molekularbiologie (GBM).
 
 

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  • 1998

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