Tag der offenen Tür

mit wissenschaftlichem Programm

«Pferde-Chirurgie in Gießen»







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mit den hier aufgeführten Texten und Grafiken

Bezugsquelle: Prof. Dr. Lutz-F. Litzke
                        Chirurgische Veterinärklinik - Chirurgie des Pferdes und Lehrschmiede -
                        Justus-Liebig-Universität Gießen
                        Frankfurter Straße 108
                        D-35392 Gießen
                        Telefon 06 41/993 85-71
                        Telefax 06 41/993 85-79
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Übersicht

der Abstracts

1. Vorwort

2. Moderne Krankenhaushygiene -
    Anforderungen und Realisation beim Umbau
    Prof. Dr. Lutz-F. Litzke, Dr. Bernard Grevemeyer, Dr. Friedrich Tilkes

3. Kolik beim Pferd.
    Eine konservativ-internistische oder chirurgische Behandlung?
    Eine retrospektive Übersicht.
    Dr. Helmut Mayer, Prof. Dr. Hermann Sasse

4. Erfahrungen mit der Relaparotomie
    als therapeutisches Prinzip bei Ileuspatienten
    Dr. Bernd Tellhelm, TA Eva Schmitt, Prof. Dr. Lutz-F. Litzke

5.Ovarialtumoren bei der Stute.
    Klinische Diagnostik und Therapiemöglichkeiten
    Dr. Kerstin Herfen, Prof. Dr. Hartwig Bostedt

6. Nosokomiale Salmonelleninfektionen beim Pferd.
    Problemlösung durch serologische Eingangsuntersuchung?
    Dr. Rolf Bauerfeind, Stefanie Barth, Dr. Elke Jonigkeit

7. Transkutane Sonographie des Hodens
    beim kryptorchiden Hengst
    TA Ulrich Braxmaier, Prof. Dr. Lutz-F. Litzke, Prof. Dr. Martin Bergmann

8. Die hormonelle Diagnostik bei hengstigen Pferden
    Dr. Gerhard Schuler, Prof. Dr. Bernd Hoffmann

9. Zur Schallemissionsanalyse
    im Rahmen der orthopädischen Diagnostik
    Prof. Dr. Hans-Joachim Schwalbe, TA Claudia Eisenach

10. Die wichtigsten diagnostischen Leitungsanästhesien
    an der freien Extremität des Pferdes
        Prof. Dr. Dietrich Girtler, Dr. Peter Kübber

11. Thermographische Untersuchungen und Messung des Hornwachstum
        nach periarterieller Sympathektomie und Fasziolyse beim Pferd
        TA Heinz Jaugstetter, Dr. Reinhard Jacobi, Prof. Dr. Lutz-F. Litzke

12. Möglichkeiten der nuklearmedizinischen Diagnostik und Therapie
        Prof. Dr. Dr. Richard Bauer

13. Die intravenöse Injektion von Hyaluronsäure (Hyonate®)
        Eine Information des Unternehmens Bayer Vital GmbH & Co. KG
        Dr. Eva Pietschmann

14. Infektionsschutz des Pferdes bei Atemwegserkrankungen
        Eine Information des Unternehmens Hoechst Roussel Vet. GmbH
        Dr. Peter Hinsberger

15. Endoskopie: In der Humanmedizin bewährt
        - in der Veterinärmedizin immer bedeutender
        Eine Information des Unternehmens Karl Storz Endoskope GmbH & Co. KG
        Dr. Reglind Hühn
 
 



Vorwort

Im Februar 1999 wurde uns, nach einer Umbauzeit von 12 Monaten der rekonstruierte Pferde-Operationstrakt mit Operationssaal, Narkose- und Aufwachbox, Anästhesie-Kontrollraum und Behandlungsstand feierlich von den Baufirmen unter Leitung des Staatsbauamtes und der Liegenschaftsabteilung der Justus-Liebig-Universität übergeben.

Mit dem heutigen Tag der offenen Tür, der offiziellen Einweihungsfeier, möchten wir den Kollegen des Fachbereichs Veterinärmedizin und unseren Kollegen aus der Praxis die neuen Räumlichkeiten demonstrieren und gleichzeitig einen kurzen Überblick über unsere Aufgaben und die interdisziplinäre Zusammenarbeit unserer Klinik mit anderen Instituten und Kliniken sowie der Praxis darstellen.

Die bisherige Nutzung zeigt, dass sich die Bedingungen für die Versorgung von chirurgischen Pferdepatienten nach modernen Gesichtspunkten der Krankenhaushygiene an der Justus-Liebig-Universität wesentlich verbessert haben.

Durch die Integration einer Kamera in die Operationsleuchte können die Studenten das Operationsgeschehen über Monitor auch im Kontrollraum "hautnah" verfolgen.

Der neue Pferde-Operationssaal erlaubt nun die Behandlung auch komplizierter Erkrankungen. Hier ist besonders zu erwähnen, dass in den letzten Jahren auch das notwendige Osteosynthese-Instrumentarium für die Behandlung von Frakturen angeschafft wurde. Weiterhin erlaubt auch die neue Arthroskopieeinheit die Diagnose und Therapie der häufig anzutreffenden Gelenkerkrankungen beim Pferd.

Nach Abschluss der Umbauarbeiten am Operationstrakt der Pferdechirurgie ist in der Zwischenzeit eine weitere wichtige Baumaßnahme, die Rekonstruktion der von der Kleintier- und Pferdechirurgie gemeinsam genutzten Sterilisationsanlage, abgeschlossen worden. Ohne die Unterstützung durch die Universitätsleitung und den Fachbereich wären diese Erfolge nicht möglich gewesen.

Allen Mitarbeitern der Chirurgischen Veterinärklinik, die trotz laufender Baumaßnahmen den klinischen Alltagsbetrieb aufrechterhalten haben und die den heutigen Tag der offenen Tür mitgestaltet haben, gilt mein besonderer Dank.

Letztlich möchte ich mich beim Verein der Freunde und Förderer der Veterinärmedizin in Gießen und allen Industriefirmen bedanken, die durch ihre finanzielle Unterstützung zum Gelingen der Feier beigetragen haben.

Gießen, den 27. November 1999

Prof. Dr. Lutz-F. Litzke
Chirurgische Veterinärklinik - Chirurgie des Pferdes -
Justus-Liebig-Universität Gießen


 



Moderne Krankenhaushygiene -

Anforderungen und Realisation beim Umbau

Prof. Dr. Lutz-F. Litzke, Dr. Bernard Grevemeyer

Chirurgische Veterinärklinik - Chirurgie des Pferdes und Lehrschmiede

Dr. Friedrich Tilkes

Institut für Hygiene und Umwelt, KlinikumJustus-Liebig-Universität Gießen





Die Krankenhaushygiene als Disziplin dient mit wesentlichen Elementen der Qualitätssicherung der klinischen Arbeit. Sie wird in der Humanmedizin durch verschiedene Vorgaben, wie das Bundesseuchengesetz, das Gesundheitsstrukturgesetz, die Landeskrankenhausgesetze, Krankenhaushygieneverordnungen der Länder und Richtlinien für Krankenhaushygiene und Infektprävention des Robert-Koch-Instituts geregelt, während in veterinärmedizinischen Kliniken wegen fehlender Vorgaben zur Zeit eher individuelle Lösungen gefunden werden, die stark von der vorhandenen Bausubstanz und dem finanziellen Spielraum der Klinikbetreiber abhängen. Jedoch auch zur Qualitätssicherung tierärztlicher Tätigkeit besitzt die Krankenhaushygiene einen enorm hohen Stellenwert - auch unter Berücksichtigung forensischer Belange. Deshalb ist es notwendig, bereits im Stadium der Planung eines Klinik-Neu- bzw. Umbaus auf alle Anforderungen an eine moderne Krankenhaushygiene detailliert einzugehen.Wenn es sich, wie im vorliegenden Fall des Umbaus der Chirurgischen Veterinärklinik, zudem noch um ein unter Denkmalschutz stehendes Gebäude handelt, so sind ganz besondere Anstrengungen aller Beteiligten erforderlich, um elegante, dem Arbeitsablauf entsprechende Lösungen zu finden.

Unter Berücksichtigung der tierartspezifischen Anforderungen an die Pferdechirurgie lag dem Umbau das folgende langfristige Konzept zu Grunde:

1. Schaffung eines aseptischen und eines septischen Operationsraumes.

2. Einbau von zwei Recoveryboxen, die sowohl als Narkose- als auch als Aufwachbox genutzt werden.

3. Einbau eines Behandlungsstandes, der sowohl für die postoperative Behandlung von Ileuspatienten, für die sonographische Untersuchung speziell der Gliedmaßen als auch für laparoskopische und andere endoskopische Eingriffe geeignet ist.

4. Verbesserung der Ausbildungsbedingungen, insbesondere durch Einbau einer Operations-Kamera mit übertragungsmöglichkeit der Operation in einen Ausbildungsraum bzw. in den Hörsaal und in das Internet.

5. Einrichtung eines Anästhesiekontrollraumes mit monitorgestützter Überwachung der Recoveryboxen und der Intensivpatienten.

In enger Zusammenarbeit mit dem Präsidium und der Liegenschaftsverwaltung der Justus-Liebig-Universität Gießen sowie dem Staatsbauamt ist auf engstem Raum eine funktionale Lösung entstanden, die einerseits den Anforderungen einer modernen Krankenhaushygiene entspricht und andererseits zu einer Arbeitserleichterung und zu einer Verbesserung des Arbeitsablaufs geführt hat.Zur speziellen Prophylaxe von Krankenhausinfektionen wurden im Operationsraum, in der Narkosebox und im Waschraum eine keimfreie Lüftungszufuhr eingebaut. Im Waschraum wurde für die Operateure eine berührungsfreie Waschanlage mit extrem langen Wasserarmen installiert. Die Recoveryboxen wurden als Wanne ausgebildet, um eine vollständige Reinigung und Desinfektion zu ermöglichen. Hinsichtlich Griffigkeit und Elastizität hat sich der verwendete Gummibelag bewährt.Integraler Bestandteil der Krankenhaushygiene ist die Instrumentendesinfektion, -reinigung und -sterilisation. Eine entsprechende Rekonstruktion konnte ebenfalls abgeschlossen werden. Neben der Dampfsterilisation kommt für thermolabiles Instrumentarium eine Formaldehyd-Sterilisation zur Anwendung. Um einen reibungslosen, hygienisch einwandfreien Betriebsablauf zu gewährleisten, ist auf die Einhaltung des Hygieneplanes zu achten, wie er auch für den veterinärmedizinischen Bereich durch die Unfallverhütungsvorschrift "Gesundheitsdienst" gefordert wird.Bei Nichteinhaltung der hygienischen Randbedingungen muss von einem eingeschränkten Operationskatalog ausgegangen werden. Außerdem muss im Falle von postoperativen Wundinfektionen mit juristischen Auseinandersetzungen von seiten der Patientenbesitzer gerechnet werden.
 

Anschrift der Verfasser:

Prof. Dr. Lutz-F. Litzke
Dr. Bernard GrevemeyerChirurgische Veterinärklinik- Chirurgie des Pferdes und Lehrschmiede -
Justus-Liebig-Universität Gießen
Frankfurter Straße 108
D-35392 Gießen
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Dr. Friedrich Tilkes
Institut für Hygiene und Umwelt, Klinikum
Justus-Liebig-Universität Gießen
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D-35392 Gießen
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Kolik beim Pferd

Eine konservativ-internistische oder chirurgische Behandlung?

Eine retrospektive Übersicht.

Dr. Helmut Mayer, Prof. Dr. Hermann Sasse

Medizinische und Gerichtliche Veterinärklinik

Justus-Liebig-Universität Gießen





Durch Fortentwicklung von Diagnostik, Therapie und vor allem aber der chirurgischen operativen Behandlung der Kolikerpatienten sind die Chancen eines Pferdes, die Kolikerkrankung zu überleben und wieder voll einsatzfähig zu werden, bedeutend größer geworden. Dadurch steigt die Neigung der Pferdebesitzer und Haustierärzte, Pferde mit Kolik zu einer operativen Behandlung in eine Klinik zu bringen. Kolik ist aber eine innere Krankheit und man sollte sich immer zuerst die Frage stellen, ob nicht eine konservativ-internistische Behandlung möglich ist.In den letzten beiden Jahren wurden insgesamt 654 Pferde mit "Kolik" als Vorbericht in unsere Klinik eingewiesen. Davon verblieben 409 Patienten (62,5 %) in der Medizinischen Klinik zur nicht operativen Therapie. 245 Pferde (37,5 %) wurden von uns in die Chirurgische Veterinärklinik überwiesen.Von den 356 Pferden mit einem Vorbericht, der nicht auf eine operativ anzugehende Kolik hinwies, verblieben nur 246 (69,1 %) in unserer Klinik, 30,9 % mussten operiert werden. Umgekehrt bei einer eindeutig chirurgisch zu behandelnden Kolikereinweisungsdiagnose blieben von 155 Pferden 69 (44,5 %) in der Inneren Medizin und bei einer nicht eindeutig internistisch oder chirurgisch zuzuordnenden Kolikereinweisungsdiagnose von 143 Pferden 94 (65,7 %).Aus dieser Aufstellung ist ersichtlich, dass die Medizinische Veterinärklinik ein Filter zwischen den einweisenden Haustierärzten und der Chirurgischen Veterinärklinik bei der Untersuchung der eingewiesenen Koliker darstellt. Die Koliker werden nach sofortiger Untersuchung und schneller Diagnosestellung entweder zur Operation weitergeleitet oder in der Medizinischen Veterinärklinik behandelt.Die Recherchen zeigen auch, dass die früher verbreitete Angst unter den Pferdebesitzem und Haustierärzten, ein Koliker habe ganz allgemein und auch in der Internistischen oder Chirurgischen Veterinärklinik nur geringe Überlebenschancen, heute unbegründet ist. Etwa 95% aller an Kolik erkrankten Pferde überleben. Muss chirurgisch behandelt werden, ist die Prognose zwar schlechter, etwa 65 bis 70 %, aber bei den meisten Kolikem ist eine Operation nicht notwendig."Kolik" ist kein Todesurteil: etwa 95% der Patienten überleben. Es gibt Pferdeerkrankungen mit einer wesentlich ungünstigeren Prognose.
 

Anschrift der Verfasser:

Dr. Helmut Mayer
Prof. Dr. Hermann Sasse
Medizinische und Gerichtliche Veterinärklinik
Justus-Liebig-Universität Gießen
Frankfurter Straße 126
D-35392 Gießen
Telefon 06 41/993 86-50
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Erfahrungen mit der Relaparotomie

als therapeutisches Prinzip bei Ileuspatienten

Dr. Bernd Tellhelm, TA Eva Schmitt, Prof. Dr. Lutz-F. Litzke

Chirurgische Veterinärklinik - Chirurgie des Pferdes und Lehrschmiede

Justus-Liebig-Universität Gießen





Die operative Behandlung von Pferden mit Ileus oder Ileusverdacht hat sich zu einem Routineeingriff entwickelt, der allerdings mit hohem Kosten und immer noch einem erheblichen Risiko verbunden ist. In einigen Fällen reicht eine einmalige Operation nicht aus. Es kann postoperativ zu Komplikationen kommen, die eine (auch wiederholte) Relaparotomie erforderlich machen.In die Entscheidungsfindung für eine operative Kolikbehandlung sollte dieser Gesichtspunkt einfließen. Im Falle einer Relaparotomie können zusätzlich erhebliche Kosten anfallen. Für eine sinnvolle Beratung der Tierbesitzer/innen sollten Informationen über die Erfolgsaussichten bei relaparotomierten Pferden zur Verfügung stehen.Von den 1996 in der Chirurgischen Veterinärklinik Gießen operierten Kolikpatienten haben etwa 2/3 die Klinik lebend verlassen. Schließt man die Fälle aus, die sich nach Laparotomie als inoperabel darstellen, sind es sogar 90%. Die Zahlen schwanken allerdings von Jahr zu Jahr etwas. Bei etwa 11 % der operierten Pferde wurde eine Relaparotomie durchgeführt. Zwischen 1983 und 1996 wurden 78 Patienten relaparotomiert, davon 4 zweimal und 2 dreimal. Die Häufigkeit der Relaparotomien stieg in den letzten Jahren prozentual deutlich an.Häufigster Befund, der eine Relaparotomie erforderte, war ein postoperativer paralytischer Ileus (42 %). Danach folgen Peritonitis (23 %), Funktionsstörungen an einer Anastomose (18 %), Enteritis (13 %), erneuter Ileus ohne direkten Zusammenhang mit der Ersterkrankung (9 %), Nekrose eines vorgeschädigten Darmabschnittes (8 %), Rezidiv der ersten Ileusursache (5 %), Verklebungen (5 %), Magenperforation (5 %), Nahtdehiszens der Laparotomiewunde (4 %) und starke Blutung in die Bauchhöhle (3 %).30 (38,5 %) der 78 relaparotomierten Pferde konnten geheilt entlassen werden. Bei 14 Tieren wurden Befunde erhoben, die inoperabel waren. Läßt man diese Fälle unberücksichtigt, erhöht sich die Heilungsquote bei unseren Relaparotomien auf 47 % (30 von 64). 2 von 4 zweimal relaparotomierten Pferde überlebten, die beiden dreimal relaparotomierten Tiere konnten nicht geheilt werden.In den Jahren 1995 und 1996 erhöhte sich die Anzahl der erfolgreichen Relaparotomien auf etwa 75 % (11/14). Seit Anfang 1995 wenden wir routinemäßig eine Peritoneallavage bei diesen Pferden an.

SchlußfolgerungenBei mehr als 10 % der Pferde mit abgeschlossener Kolikoperation wurde eine Relaparotomie erforderlich. Bei dem Entschluss zu einer operativen Kolikbehandlung sollte dieser Gesichtspunkt unbedingt mit bedacht werden.Der zunehmend erfolgreiche Ausgang von Relaparotomien führte dazu, dass die Entscheidung dazu leichter und schneller getroffen wird. Die frühe Entscheidung zur Relaparotomie ist wiederum eine Voraussetzung für einen günstigen Ausgang.
 

Anschrift der Verfasser:

Dr. Bernd Tellhelm
TA Eva Schmitt
Prof. Dr. Lutz-F. Litzke
Chirurgische Veterinärklinik
- Chirurgie des Pferdes und Lehrschmiede -
Justus-Liebig-Universität Gießen
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Ovarialtumoren bei der Stute

Klinische Diagnostik und Therapiemöglichkeiten

Dr. Kerstin Herfen, Prof. Dr. Hartwig Bostedt

Klinik für Geburtshilfe, Gynäkologie und Andrologie der Groß- und Kleintiere mit Tierärztlicher Ambulanz

Justus-Liebig-Universität Gießen





Tumoröse Veränderungen des Stutenovars treten im Bezug zu anderen möglichen ovariellen Abberationen relativ selten auf. Sie führen dann aber in der Mehrzahl der Fälle zu erheblichen Störungen, welche sowohl das Allgemeinbefinden der betroffenen Stute beeinträchtigen, als auch eine reiterliche und züchterische Nutzung des Pferdes verhindern. Dies kommt besonders bei zunehmender Chronizität der Erkrankung zum Tragen. Anhand des Patientengutes der Klinik aus den letzten Jahren werden daher die Möglichkeiten und Grenzen der klinischen und endokrinologischen Befunderhebung bei Verdacht eines Ovartumores aufgezeigt. Ebenso werden die Therapiemöglichkeiten und die weitere Entwicklung und Nutzung der ovariektomierten Stuten beschrieben.Im Untersuchungszeitraum wurden 18 Stuten mit unterschiedlicher Anamnese vorgestellt. Dabei standen Unrittigkeit, Virilismus und kolikartige Zustände als besondere Beobachtungen der Besitzer im Vordergrund. Intestinale Ursachen für die Koliken wurden bei sämtlichen Stuten im Vorfeld ausgeschlossen. Alle Stuten wurden einer eingehenden gynäkologischen Untersuchung unterzogen, wobei das Hauptaugenmerk den Ovarbefunden galt. Die Befundaufnahme umfasste die manuelle rektale Untersuchung, welche durch die transrektale ultrasonographische Kontrolle der Ovarien und des Uterus ergänzt wurde. Bei 14 Stuten konnte in Absprache mit den Besitzern zusätzlich noch der endokrinologische Status der Stute erhoben werden. Da weder die klinisch-gynäkologische Untersuchung, noch die transrektale Sonographie eine eindeutige Aussage über die ovarielle Abberation zulassen, dient die Erfassung des Hormonstatus der Befunderweiterung. Eine eindeutige Charakterisierung der tumorösen Ovarveränderung ist aber auch unter Berücksichtigung aller klinisch relevanter Untersuchungsverfahren nicht zu stellen.Da eine tumoröse Entartung des Ovars nur über eine vollständige operative Entfernung des betroffenen Organes zu therapieren ist, ist die Laparotomie die Therapie der Wahl. In 17 Fällen wurde nach Absprache mit den Besitzern daher eine Laparotomie durchgeführt. Alle hier operierten Stuten wurden in Allgemeinnarkose postumbilical in der Linea alba laparotomiert. Bei den in der Literatur beschriebenen Laparotomieverfahren sind die Vor- und Nachteile der unterschiedlichen operativen Zugänge zur Ovariektomie beschrieben. Das Argument der schlechten Darstellungsmöglichkeit des veränderten Ovars bei einem medianen Zugang zur Abdominalhöhle erwies sich lediglich in einem Fall als korrekt. Diese Stute konnte nicht einseitig ovariektomiert werden, da das veränderte Ovar nicht soweit zu mobilisieren war, dass eine Vorlagerung in die Laparotomiewunde möglich wurde. Eine Extirpation des Ovars ohne Sichtkontrolle verbietet sich aufgrund der starken hämatogenen Versorgung des Organes und der daraus resultierenden starken Blutungsgefahr bei ungenügender Ligatur der Gefäße. Es wurde daher bei diesem Pferd ein konservativer Therapieversuch angestrebt, um die in diesem Fall vorliegende zystöse Erweiterung des Ovars zu beheben. Bei den verbliebenen 16 Stuten waren die veränderten Ovarien dergestalt vorzulagern, dass eine einseitige Ovariektomie problemlos möglich war. Auch der komplikationslose postoperative Verlauf rechtfertigt dennoch den größeren technischen und operativen Aufwand gegenüber zum Beispiel der Laparotomie in der Flanke am stehenden, sedierten Pferd.Eine besondere Bedeutung kommt der anschließenden pathologisch-histologischen Untersuchung des extirpierten Ovars zu. Eine praeoperative Biopsie aus dem veränderten Ovar per vaginam zur Charakterisierung der Umfangsvermehrung erscheint aufgrund des stark durchbluteten Ovargewebes und der somit schlecht kontrollierbaren Wunde nicht zu empfehlen. Die postoperativ durchgeführte pathologisch-histologische Untersuchung ergab in 75% der Fälle (12 von 16 Stuten) einen klassischen Granulosazelltumor. Die bei den übrigen Stuten vorgefundene Vergrößerung des Ovars war durch unterschiedliche pathologische Zustände bedingt. So wurde je einmal ein Ovarhämatom und eine paraovarielle Zyste posthum diagnostiziert. Bei zwei Stuten lag eine zystische Degeneration beziehungsweise eine polyzystische Entartung des Ovars vor. In allen 16 Fällen konnte keine eindeutige Korrelation zwischen Anamnese, klinischer Befunderhebung, Hormonstatus und pathologisch-histologischer Untersuchung festgestellt werden. Lediglich der Nachweis von Testosteron im peripheren Blut bei 5 von 18 Stuten war als Diagnostikum zur Identifizierung eines Granulosazelltumores heranzuziehen. Anamnestisch zeigten diese fünf Stuten alle einen in den vergangenen Monaten entstandenen, zunehmenden Virilismus. Aber auch Stuten ohne erhöhte Testosteronspiegel im peripheren Blut wurden im Rahmen der anamnestischen Befragung als zunehmend viril beschrieben.Der Therapieerfolg nach Extirpation des Ovars ist kurzfristig in der schnellen Genesung der Stuten und kurzen Rekonvaleszenzphase zu sehen. Eine langfristige Beobachtung der Stuten zeigte eindeutig, dass in allen Fällen die zur Vorstellung vorliegenden Befunde wie Unrittigkeit, Virilismus und Koliken postoperativ nicht mehr beobachtet werden konnten. Die nach der Operation züchterisch genutzten Stuten konzipierten komplikationslos.

Zusammenfassend kann gesagt werden, dass durch das unterschiedliche anamnestische, klinisch-gynäkologische und endokrinologische Bild der erkrankten Stuten eine eindeutige Diagnose erst nach einer pathologisch-histologischen Untersuchung zu stellen ist. Dabei ist die operative Entfernung tumoröser Ovarveränderungen über den Zugang der Linea alba die operative Methode der Wahl für eine dauerhafte gynäkologische Therapie der Stuten. Die unkomplizierte kurz- und langfristige postoperative Entwicklung der Stuten unterstreicht die positiven Erfahrungen der Behandlung solcher Ovarveränderungen.
 

Literatur:

MEINECKE, B. (1986): Zur Klinik der Ovartumoren der Stute. Tierärztliche Praxis (1986) Nr. 14, S. 501-508

MOLL, H. D. et al. (1987): Diagonal paramedian approach for removal of ovarian tumors in the mare. Vet Surg (1987) Nr. 16, 6; S. 456-458

HINRICHS, K., HUNT, P. R. (1990): Ultrasound as an aid to diagnosis of granulosa cell tumor in the mare. Equine Vet J (1990) Nr. 22, 2; S. 99-103

LEIDL, W. et al. (1992): Klinische Aspekte der Ovarfunktion und ihrer Störungen bei der Stute. Tierärztl. Umschau (1992) Nr. 47; S. 63-66

CARSON-DUNKERLEY, S. A. et al. (1989-1995): Ovariectomy of granulosa cell tumors in mares by use of the diagonal paramedian approach: 12 cases (1989-1995). J Am Vet Med Assoc (1997) Nr. 211 (2); S. 204-206
 

Anschrift der Verfasser:

Dr. Kerstin Herfen
Prof. Dr. Dr. h.c. Hartwig Bostedt
Klinik für Geburtshilfe, Gynäkologie und Andrologie der Groß- und Kleintiere mit Tierärztlicher Ambulanz
Justus-Liebig-Universität Gießen
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D-35392 Gießen
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Nosokomiale Salmonelleninfektionen beim Pferd

Problemlösung durch serologische Eingangsuntersuchung?

Dr. Rolf Bauerfeind, Stefanie Barth

Institut für Hygiene und Infektionskrankheiten der Tiere

Dr. Elke Jonigkeit

Medizinische und Gerichtliche Veterinärklinik





Seuchenartige Salmonelloseausbrüche haben gezeigt, dass Salmonelleninfektionen ein besonderes Risiko für den Betrieb von Pferdekliniken darstellen und mit hoher Morbidität und Letalität einher gehen können. Zur erfolgreichen Prävention ist es u.a. notwendig, infizierte Pferde unter den Neuzugängen möglichst frühzeitig zu erkennen und abzusondern, da diese als eine der Hauptansteckungsquellen für andere Pferde anzusehen sind. In eigenen Untersuchungen wurde der Frage nachgegangen, ob sich das Lipopolysaccharid (LPS) und die plasmidkodierten Virulenzproteine SpvC und SpvD von Salmonellen (Salmonella Plasmid Virulence) als Testantigene zur Erkennung von Salmonellenausscheidern anhand spezifisch erhöhter Antikörpertiter eignen. Um die Verbreitung diagnostisch interessanter Antigene bei aktuellen Feldstämmen zu bestimmen, wurden Salmonella-Isolate von 228 Pferden im hiesigen Einzugsgebiet serotypisiert und darüber hinaus 809 Salmonella-Isolate von verschiedenen Tierarten mittels PCR oder DNS-DNS-Hybridisierung auf die Präsenz des spv-Genlocus untersucht. Zum Nachweis Salmonella-spezifischer Antikörper (IgG, IgA) dienten Serum- und Kotproben von Pferden (51 Salmonellenausscheider, 54 Salmonella-negative Pferde), die in einem ELISA mit gereinigtem LPS von S.Typhimurium sowie rekombinant hergestelltem rSpvC und rSpvD als Fangantigenen untersucht wurden.Insgesamt handelte es sich bei 209 der equinen Feldisolate (91,6 %) um Salmonellen mit dem O-Antigen 4, wobei 90,4 % der Stämme als S.Typhimurium identifiziert wurden. S.Enteritidis war das zweithäufigste Serovar und betraf 11 Pferde (4,8 %). Der spv-Locus konnte bei 97,1 % der untersuchten Isolate unterschiedlicher Herkunft nachgewiesen werden. Antikörper gegen das LPS, das rSpvC und das rSpvD waren sowohl in den Serum- als auch in den Kotproben von Pferden nachweisbar. Im Mittel waren die LPS- und rSpvD-spezifischen Titer der Salmonellenausscheider signifikant höher als diejenigen der Salmonella-negativen Pferde (p < 0,001). Im ELISA mit dem rSpvC als Antigen unterschieden sich Salmonella-positive und -negative Pferde dagegen nicht voneinander. Gemessen am kulturell-bakteriologischen Salmonellenbefund wiesen die Serum-IgG-Titer eine Spezifität von 92,0 % und eine Sensitivität von 62,8 % auf (LPS-ELISA) bzw. eine Spezifität von 96,3 % und eine Sensitivität von 58,8 % (rSpvD-ELISA). Bessere Werte (100 % bzw. 75 %) ließen sich nur mit dem Kot-IgA-Titer im LPS-ELISA erzielen, dessen Bestimmung sich allerdings aufwendiger gestaltete.Aus den Ergebnissen ist abzuleiten, daß die Bestimmung von Salmonella-spezifischen Serum-IgG-Titern besonders zum Vortest geeignet ist, da sich damit die Zahl der aufwendigen und langwierigen kulturell-bakteriologischen Untersuchungen begrenzen lässt. Das rekombinante Virulenzprotein rSpvD bietet gegenüber herkömmlichen Salmonella-Antigenen den Vorteil, eine serovarübergreifende Diagnostik auf der Basis eines definierten und standardisierbaren Proteinantigens zu ermöglichen.
 

Anschrift der Verfasser:

Dr. Rolf Bauerfeind
Stefanie Barth
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Frankfurter Straße 85-91
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Telefon 06 41/993 83-03
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eMail rolf.bauerfeind@vetmed.uni-giessen.de

Dr. Elke Jonigkeit
Medizinische und Gerichtliche Veterinärklinik
Justus-Liebig-Universität Gießen
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D-35392 Gießen
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Transkutane Sonographie des Hodens beim

kryptorchiden Hengst

TA Ulrich Braxmaier, Prof. Dr. Lutz-F. Litzke

Chirurgische Veterinärklinik

Prof. Dr. Martin Bergmann

Institut für Veterinär-AnatomieJustus-Liebig-Universität Gießen





Einleitung: Es galt die Eignung der transkutanen Sonographie als nichtinvasive Methode der präoperativen Diagnostik zur Einschätzung des Operationsrisikos, bzw. als Entscheidungshilfe für die Wahl der geeigneten Kastrationsmethode zu überprüfen.
Material und Methoden: über zwei Jahre wurden 17 vermutlich kryptorchide Hengste mit 19 kryptorchiden Hoden sonographisch untersucht und anschließend kastriert. Die Tiere wurden in der Skrotal- und Leistengegend mit einem 7,5 MHz Linearschallkopf (Petscope20®, Fa. Kranzbühler) untersucht. Zur Einsicht tieferer Regionen wurde ein 3,5 MHz Konvexschallkopf verwendet. Die ermittelte Lokalisation der Hoden wurde in der anschließenden Kastration überprüft.
Ergebnisse: In 13 von 19 (13/19) Fällen konnte der kryptorchide Hoden mit Hilfe der transkutanen Sonographie identifiziert werden. Die Hoden stellten sich als ovale, homogene, graue und granuläre Gebilde dar. Die Zentralvene war in 11 Fällen als anechogene Zone mittig nachweisbar. In 2 Fällen konnte die Zentralvene bei tief inguinal gelegenen Hoden nicht dargestellt werden. Die 6 oberflächlich inguinal gelegenen Hoden konnten eindeutig lokalisiert werden. Zwischen den 5 tief inguinal und den 2 unvollständig abdominal gelegenen Hoden konnte nicht unterschieden werden. Bei 7/13 Hoden wurden prä- und postoperative Größenmessungen durchgeführt. Die Werte wichen um 1 bis 25mm von einander ab.In 6/19 Fällen konnten keine hodenähnlichen Strukturen identifiziert werden. Intraoperativ lagen die Hoden vollständig abdominal.Die oberflächlich inguinal gelegenen Hoden waren palpierbar. Die tief inguinal, vollständig und unvollständig abdominalen Hoden waren nicht palpierbar.
Diskussion: Nach Einarbeitung lassen sich inguinal und unvollständig abdominal gelegene Hoden beim Pferd mit Hilfe der transkutanen Sonographie im Gegensatz zur Palpation sicher identifizieren. Der Ultraschall liefert somit wertvolle Informationen zum Einschätzen des Operationsrisikos und dient als Entscheidungshilfe zur Wahl der geeigneten Kastrationsmethode. Weiterführende Untersuchungen zeigen, dass eine Differenzierung zwischen tief inguinal und unvollständig abdominal gelegenen Hoden durch ihre Lage zur abdominalen Wand möglich erscheint. Durch ihre Lagerung ist eine orthograde Darstellung der kryptorchiden Hoden nicht möglich und Größenmessungen sind unzuverlässig.Ist im Falle eines positiven Hormon-Stimulations-Testes kein Hodengewebe darstellbar, liegt der Hoden mit hoher Wahrscheinlichkeit abdominal und eine Eröffnung der Bauchhöhle ist unumgänglich.
 

Anschrift der Verfasser:

TA Ulrich Braxmaier, Prof. Dr. Lutz-F. Litzke
Chirurgische Veterinärklinik - Chirurgie des Pferdes und Lehrschmiede -
Frankfurter Straße 108
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Prof. Dr. Martin Bergmann
Institut für Veterinär-Anatomie
Justus-Liebig-Universität Gießen
Frankfurter Straße 98
35392 Gießen
Telefon 06 41/993 81-02
Telefax 06 41/993 81-02
eMail Martin.Bergmann@vetmed.uni-giessen.de






Die hormonelle Diagnostik bei hengstigen Pferden

Dr. Gerhard Schuler, Prof. Dr. Bernd Hoffmann

Klinik für Geburtshilfe, Gynäkologie und Andrologie der Groß- und KleintiereJustus-Liebig-Universität Gießen





Eine sichere hormonelle Diagnostik des Kryptorchismus ist zur Vermeidung überflüssiger diagnostischer Operationen erforderlich. Das Vorhandensein von endokrin aktivem Hodengewebe kann beim Pferd labordiagnostisch anhand der Testosteronbestimmung sowie durch den Nachweis testikulärer Östrogene diagnostiziert werden. Die Testosteronkonzentrationen nicht stimulierter intakter Hengste liegen im Blutplasma bzw. -serum zwischen ca. 0,5-3,0 ng/ml. Bei vollständiger Kastration sinken sie innerhalb weniger Tage auf Werte unter 0,04 ng/ml ab. Die Testosteronkonzentrationen kryptorchider Pferde liegen, je nach endokriner Aktivität des vorhandenen Gonadengewebes, zwischen denen des Hengstes und des Wallachs. Als Standardverfahren zum Nachweis von extraskrotalem, endokrin aktivem Hodengewebe wird der HCG-Stimulationstest angesehen. Hierbei werden 6.000-12.000 I.E. HCG intravenös appliziert. Vor, sowie zwischen 30 bis 120 Minuten nach der HCG-Verabreichung werden mehrfach Blutproben zur Testosteronbestimmung entnommen. Die HCG-Stimulation dient einerseits dazu, die bei Kryptorchiden gelegentlich sehr niedrigen, im Bereich der unteren Nachweisgrenze der üblichen Meßverfahren liegenden Testosteronkonzentrationen in den sicheren Messbereich "anzuheben". Andererseits gibt die Stimulierbarkeit der Testosteronproduktion durch eine LH-wirksame Substanz eine zusätzliche Sicherheit, dass es sich bei der Quelle des gemessenen Testosterons tatsächlich um Hodengewebe handelt. Alternativ zu HCG kann die Stimulation auch mit GnRH-Analoga durchgeführt werden. Bei der Stimulation des endokrinen Hodengewebes mit HCG wird aufgrund der langen Halbwertszeit neben einer sofortigen Steigerung der Testosteronproduktion, welche auf eine kurzfristig vermehrte Bereitstellung von Substraten der Steroidsynthese beruht, ein weiterer, nach ca. 1 bis 2 Tagen einsetzender, ca. eine Woche dauernder Anstieg der Androgenproduktion beobachtet, welchem vorwiegend eine Verstärkung des Steroidsyntheseapparates selbst zugrunde liegt. Dieser protrahierte Androgenanstieg, der nach eigenen Erfahrungen bei kryptorchiden Pferden deutlich schwächer und kürzer als bei intakten Hengsten ausfällt, kann zur weiteren Absicherung der Diagnose genutzt werden.Das Pferd gehört zu den Spezies mit einer ausgeprägten testikulären Östrogenproduktion. Im Blutplasma bzw. -serum von Hengsten erreichen testikuläre Östrogene in Form von Estronsulfat Konzentrationen bis zu 400 ng/ml und darüber. Bei vollständiger Kastration sinken sie unter 0,4 ng/ml. Im Gegensatz zur Testosteronkonzentration wurde bei kryptorchiden Pferden nach HCG-Stimulation kein Anstieg der Estronsulfatkonzentration beobachtet. Die Bestimmung von Estronsulfat in einer Einzelprobe kann als alleinige Methode zur Kryptorchiden-Diagnostik oder zur Absicherung unklarer Ergebnisse von Testosteronbestimmungen angewendet werden. Aufgrund der Altersabhängigkeit der testikulären Östrogenproduktion sollte jedoch bei unter drei Jahre alten Pferden ebenso wie bei Eseln, die keine dem Pferd vergleichbaren Mengen an testikulären Östrogenen produzieren, in jedem Fall ein HCG-Stimulationstest durchgeführt werden.
 

Anschrift der Verfasser:

Dr. Gerhard Schuler
Prof. Dr. Bernd Hoffmann
Klinik für Geburtshilfe, Gynäkologie und Andrologie der Groß- und Kleintiere
Justus-Liebig-Universität Gießen
Frankfurter Straße 106
D-35392 Gießen
Telefon 06 41/993 87-04
Telefax 06 41/993 87-09
eMail bernd.hoffmann@vetmed.uni-giessen.de






Zur Schallemissionsanalyse im Rahmen der

orthopädischen Diagnostik

Prof. Dr. Hans-Joachim Schwalbe

Fachhochschule Gießen-Friedberg, FB Maschinenbau und Feinwerktechnik

TA Claudia Eisenach

Chirurgische Veterinärklinik - Chirurgie des PferdesJustus-Liebig-Universität Gießen





Die Schallemissionsanalyse (SEA) ist ein in der Material- und Bauteilprüfung etabliertes zerstörungsfreies Prüfverfahren. Es basiert auf dem physikalischen Phänomen, dass bei Rissbildung bzw. Fortschritt und Reibung gespeicherte Energie freigesetzt und unter anderem auch in Form akustischer Energie abgestrahlt wird.Bei Rissbildung in einem menschlichen Knochen und dem eines Pferdes sowie bei Reibung in durch Arthrose geschädigten Gelenken wird Schall emittiert. Eine Analyse dieser Schallereignisse lässt eine Beurteilung der Schallquellen zu. Rissbildungsgrenzen in belasteten Knochen quantitativ angeben zu können, ist nach dem Stand der klinischen Praxis derzeit nicht möglich. Es wird ein Konzept vorgestellt, das eine Rissbeurteilung mit Hilfe der SEA bei mechanischer Beanspruchung des Knochens weit unter der Belastungsgrenze zulässt. Es können verschiedene Versagensmechanismen, wie Rissbildung und Rissfortschritt als auch Rissuferreibung erkannt und hinsichtlich der umgesetzten Energie und des zeitlichen Auftretens bewertet werden. Aufgrund gleichartiger Schallcharakteristik bei Pferdeknochen und dem menschlichen Femur bei vergleichbaren Versagensmechanismen kann der explantierte Pferdeknochen auch zur bruchmechanischen Analyse des menschlichen Knochens herangezogen werden.Verschleißerscheinungen in menschlichen Gelenken - es wurden bisher Gelenke des Pferdes nicht gezielt untersucht - sind im fortgeschrittenen Zustand mit herkömmlichen Verfahren, wie der röntgenographischen Untersuchung erkennbar. Es können gegebenenfalls geometrische Veränderungen festgestellt werden. Mit Hilfe der SEA ist eine nichtinvasive Untersuchung möglich. Verschiedene Gelenkreibungsvorgänge in Abhängigkeit von Bewegungswinkel und dazugehörender Beanspruchung erlauben aufgrund ihrer charakteristischen Schallemission eine Unterscheidung geschädigter von ungeschädigten Gelenken und eine Beurteilung der Reibmechanismen.
 

Anschrift der Verfasser:

Prof. Dr.-Ing. Hans-Joachim Schwalbe
Fachhochschule Gießen-Friedberg
FB Maschinenbau und Feinwerktechnik
Wiesenstraße 114
D-35392 Gießen
Telefon 06 41/309 22-34
Telefax 06 41/309 22-35

TA Claudia Eisenach
Chirurgische Veterinärklinik - Chirurgie des Pferdes und Lehrschmiede
Justus-Liebig-Universität Gießen
Frankfurter Straße 108
D-35392 Gießen
Telefon 06 41/993 85-71
Telefax 06 41/993 85-79
eMail chirurgie-des-pferdes@vetmed.uni-giessen.de






Die wichtigsten diagnostischen Leitungsanästhesien

an der freien Extremität des Pferdes

Prof. Dr. Dietrich Girtler, Dr. Peter Kübber

Klinik für Orthopädie bei Huf- und KlauentierenVeterinärmedizinische Universität Wien





Der diagnostischen Injektion (Leitungsanästhesie, Infiltrationsanästhesie, Intrasynovialanästhesie) kommt im Rahmen des orthopädischen Untersuchungsganges ein besonderer Stellenwert zu. In überwiegender Mehrzahl der Fälle ist die Lahmheitsdiagnostik auf diese Injektion angewiesen.Je mehr die Lahmheitsursache einzuengen ist, desto exakter wird die Diagnose.Auf acht Arbeitsblättern soll die Leitungsanästhesie, wie sie an obiger Klinik zur Lokalisation des Krankheitsgeschehens der freien Extremität des Pferdes zum Einsatz kommt, dargelegt werden. Die wichtigsten Injektionsstellen werden in geraffter Form in der Weise aufgezeigt, wie sie die eigene Erfahrung lehrt. Es soll dem mit dem Pferd befassten Tierarzt ein schneller Überblick ermöglicht werden. Auf die Literatur wird hingewiesen.
 

Literatur:

ASHDOWN, R.R. und STANLEY, H.D. (1987): 3 The Forelimb, 6 The Hindlimb, In: Ashdown, R.R. (Hrsg.): Colour Atlas of Veterinary Anatomy. Vol. 2: The Horse, London - New York, Baillière Tindall and Gower Medical Publishing

FRITSCH, R. und WESTHUES, M. (1960): Bd. 1 Lokalanästhesie. In: Fritsch, R. und Westhues, M. (Hrsg.): Die Narkose der Tiere. Berlin - Hamburg, Verlag Paul Parey

POHLMEYER, K. und REDECKER, R. (1974): Die für die Klinik bedeutsamen Nerven an der Gliedmaße des Pferdes einschließlich möglicher Varianten. Deutsche Tierärztliche Wochenschrift 81, Nr. 21, S. 501-505; Nr. 22, S. 537-541

STASHAK, T.S. (1989): Lahmheitsdiagnostik In: Adam's Lahmheiten bei Pferden. 4. Aufl., Alfeld-Hannover, Verlag M. & H. Schaper, S. 100-156

UDRISKI, G. (1901): Beiträge zur Diagnostik des Sitzes der Lahmheiten beim Pferd mittels subcutaner, entlang der Nerven ausgeführter Cocaininjektionen. Mhefte prakt. Tierk. 12, S. 409
 

Anschrift der Verfasser:

a.o. Prof. Dr. Dietrich Girtler
Dr. Peter Kübber
Veterinärplatz 1
A-1210 Wien
Telefon +43 (0) 1/250 77-55 01
Telefax +43 (0) 1/250 77-55 90
eMail Christian.Stanek@vu-wien.ac.at






Thermographische Untersuchungen und Messung des

Hornwachstum

nach periarterieller Sympathektomie und Fasziolyse beim Pferd

TA Heinz Jaugstetter, Dr. Reinhard Jacobi

Pferdeklinik Barkhof

Prof. Dr. Lutz-F. Litzke

Chirurgische Veterinärklinik - Chirurgie des Pferdes und Lehrschmiede





Diese Arbeit ist die erste Studie, um den quantitativen und qualitativen Effekt der periarteriellen Sympathektomie/Fasziolyse zu messen. Um den Einfluß der peripheren Sympathektomie auf die Durchblutung nachzuweisen, wurden das Hornwachstum und die Hauttemperatur thermographisch erfasst. Die klinischen Untersuchungen fanden von Oktober 1998 bis November 1999 in der Pferdeklinik Barkhof, Sottrum, statt.Bei der periarteriellen Sympathektomie werden die im adventitiellen Bindegewebe ziehenden vegetativen Nervenplexi resektiert und damit die sympathische Nervenversorgung der Gefäße zerstört. Dies führt zu einer länger andauernden Vasodilatation und infolgedessen zur vermehrten Durchblutung (LITZKE, 1992).Bei der Fasziolyse wird die subkutane Faszie durchtrennt und danach die Arterie, Vene und der Nerv von bindegewebigen Verwachsungen befreit.Ziel ist es, die vasokonstriktorischen Bahnen zu unterbrechen, so dass eine Reduzierung des Gefäßtonus in den Arteriolen, Venolen und Kapillaren erreicht wird, was hypothetisch zu einer Blutdrucksenkung führt.Als Effekte der periarteriellen Sympathektomie treten auf, eine Steigerung der akralen Durchblutung in der Haut, der Unterhaut, des Knochens und des Hufes durch eine Blutflusserhöhung in den zuführenden Arterien und einen verbesserten venösen Abfluss. Die verbesserte Mikrozirkulation bewirkt eine günstige Sauerstoffutilisation, einen gesteigerten Abtransport von Metaboliten und den Abbau des lokalen Bluthochdrucks (LITZKE, 1992).Indikationen für eine periarterielle Sympathektomie/Fasziolyse sind das Podotrochlose-Syndrom, das Sesamoidose-Syndrom, die Insertionsdesmopathie des proximalen Fesselträgeransatzes, aber auch eventuell Arthrosen der distalen Gliedmaßen sowie bei der chronischen Hufrehe.Die Alternativen zur periarteriellen Sympathektomie/Fasziolyse beim Podotrochlose-Syndrom oder Sesamoidose-Syndrom wären zum einen ein orthopädischer Hufbeschlag, eine lokale oder systemische medikamentelle Therapie oder als chirurgischer Eingriff die Neurektomie oder Desmotomie.Bisher gab es nur Veröffentlichungen über den klinischen Erfolg dieser Operationsmethode. Bei SCHMITT (1992), die mehrere Therapieformen miteinander verglich, hatte die periarterielle Sympathektomie/Fasziolyse mit 69 % die höchste Erfolgsquote. Bei LITZKE (1993), der nur die periarterielle Sympathektomie durchführte, lag die Erfolgsrate ebenfalls bei 69 %. Eine unveröffentlichte Studie von JACOBI (1996) brachte eine Erfolgsquote von 71 %.Methodik dieser Arbeit ist das Messen des Hornlängenwachstums und thermographische Untersuchungen. Das Hornwachstum wird gemessen, indem wir mit einer oszillierenden Säge eine Kerbe auf der dorsalen Hufwand unterhalb vom Kronsaum anbringen.Zur thermographischen Untersuchung wird die Thermographie-Kamera Thermovision(c) 470 der Firma AGEMA Infrared System GmbH eingesetzt. Die Daten werden mittels einer 3,5 Zoll-Diskette des in der Kamera integrierten Diskettenlaufwerkes gespeichert. Die Aufnahmen der vier Gliedmaßen beim Pferd erfolgen immer in der gleichen Reihenfolge und werden zusätzlich in einem eigens erstellten Protokoll notiert. Außerdem werden die Patientendaten und Ergebnisse der klinischen Lahmheitsuntersuchung, sowie der weiterführenden Untersuchungen anhand einer Karteikarte protokollarisch festgehalten.Als erstes muss die Diagnose manifestiert werden. Hierzu gehört die Erhebung des Vorberichtes, die sorgfältige klinische Untersuchung, Leitungs- und/oder Gelenkanästhesien sowie, falls erforderlich, die Sonographie und das Röntgen. Sollte der Vorbericht den Verdacht auf ein Podotrochlose-Syndrom und/oder Sesamoidose-Syndrom lenken, wird sofort die Thermographie eingeleitet. Hierbei gibt es einige wichtige Punkte, die zu beachten sind. Der Untersuchungsraum muss frei von Zugluft und durch ein abdunkelbares Fenster von direktem Sonnenlichteinfall geschützt sein. Alle zu untersuchenden Pferde erhalten 15 bis 20 Minuten Zeit sich zu akklimatisieren. Die Umgebungstemperatur sollte so konstant wie nur möglich gehalten werden, ebenso sollten die Untersuchungen wenn möglich zu den gleichen Tageszeiten stattfinden. Vor jeder Messung sollte auf folgende Punkte besonders geachtet werden: Verschmutzungen, Nässe, Verbände, Einreibungen und Scherstellen. Die thermographische Untersuchung wird mit einem eingestellten Emissionsfaktor von 0,98, einem Kamera-Objektabstand von 1 bis 2 Meter und einem Winkel von 90° durchgeführt. Die Umgebungstemperatur und der Temperaturbereich, in dem sich die Oberflächentemperatur der Gliedmaße befindet, werden an der Kamera eingestellt. Alle vier Gliedmaßen vom Fesselkopf bis einschließlich Huf werden thermographisch erfasst. Es werden jeweils eine Aufnahme von lateral, dorsal, medial und palmar bzw. plantar angefertigt.Im Verlauf der Studie werden fünf thermographische Untersuchungen durchgeführt. Die erste Thermographie findet am Untersuchungstag statt. Die zweite einen Tag vor der Operation, aber mindestens 48 Stunden nach den diagnostischen Anästhesien und nachdem am Vortag alle vier Gliedmaßen vom Kronsaum bis zum proximalen Röhrbein geschoren wurden. Die dritte Thermographie führen wir am Tag der Entlassung, d.h. ca. 10 Tage postoperativ durch. Bei der ersten Kontrolluntersuchung ca. 6 Wochen nach der Operation wird die vierte Thermographie gemacht und die letzte, d.h. fünfte thermographische Untersuchung, führen wir ca. 4 Monate postoperativ durch.Der zeitliche Verlauf der Messungen zum Hornwachstum findet wie folgt statt: Am Operationstag wird auf der dorsalen Hufwand eine Kerbe zur Messung des Hornlängenwachstums eingefräst. In der OP-Vorbereitung, am bereits anästhesierten Pferd, wird mittels einer oszillierenden Säge nach anlegen einer Schablone, eine Kerbe an allen vier Hufen, in einem definierten Abstand (1,5 cm), angebracht. An den Kontrollterminen wird dann die Distanz (Wachstum) dieser Kerbe vom Kronsaum nachgemessen. Die erste Messung des Hornlängenwachstum wird nach ca. 6 Wochen bei der ersten Kontrolluntersuchung durchgeführt. Eine zweite Messung wird ca. 4 Monate postoperativ vorgenommen.Die Auswertung der Thermogramme erfolgt rechnergestützt. Das Softwareprogramm wurde speziell für die Anwendung in der Lahmheitsdiagnostik beim Pferd entwickelt. Die Auswertung des Hornlängenwachstums wird mittels Diagrammen durchgeführt, die dann mit den Normalwerten beim Warmblut verglichen werden.Parallel zu der klinischen Studie führen wir noch eine Retrospektivstudie durch. Hierfür wurde ein eigens für diese Studie entwickelter Fragebogen an die Besitzer, deren Pferde in den Jahren von 1987 bis 1998 infolge einer Strahlbein- bzw. Gleichbeinerkrankung operiert wurden, verschickt.Die nun folgenden Ergebnisse sind vorläufig, da noch nicht alle Pferde der Studie ausgewertet werden konnten und die Ergebnisse noch nicht statistisch abgesichert sind.Bis jetzt konnte bei 29 von 30 Pferden ein deutliches Längenmehrwachstum des Hufes der operierten Gliedmaßen festgestellt werden. Das durchschnittliche Mehrwachstum lag nach 6 Wochen bei 67 %, nach 4 Monaten bei 77 %. Aufgegliedert in Podotrochlose- bzw. Sesamoidose Patienten kommen wir zu folgenden Ergebnissen: Bei Podotrochlosekranken Pferden betrug das Mehrwachstum nach 6 Wochen 53 %, nach 4 Monaten 71 %. Bei Pferden, die im Zusammenhang mit dem Sesamoidose-Syndrom operiert wurden, beobachteten wir nach 6 Wochen 73 %, nach 4 Monaten ein um 81 % gesteigertes Hornlängenwachstum.Das normale Hornwachstum beträgt bezogen auf 28 Tage 0,6 cm. An den Hinterhufen kann es zu geringgradig höheren Werten kommen, wobei eine statistische Absicherung nicht möglich ist (PRIETZ, 1998).Bei der Auswertung der Thermographie fanden wir nach 6 Wochen bei 53 %, nach 4 Monaten bei 48 % positive Thermogramme. Als positiv gelten Thermogramme bei denen ein Temperaturunterschied von mehr als 1°C gegenüber den nicht operierten Gliedmaßen vorliegt. Aufgegliedert in Podotrochlose- bzw. Sesamoidose Patienten liegen folgende Ergebnisse vor. Beim Podotrochlose-Syndrom nach 6 Wochen 43 %, nach 4 Monaten 29 %. Beim Sesamoidose-Syndrom nach 6 Wochen 59 %, nach 4 Monaten ebenfalls 59 % mit positiven Thermogrammen.Bei der klinischen Untersuchung waren nach 6 Wochen 55 % und nach 4 Monaten 85 % der Pferde lahmfrei. Gliedert man auch hier wieder in Podotrochlose- bzw. Sesamoidose Patienten, kommt man zu folgenden Ergebnissen: Beim Podotrochlose-Syndrom waren nach 6 Wochen 57 %, nach 4 Monaten 71 % lahmfrei. Beim Sesamoidose-Syndrom waren nach 6 Wochen 54 % und nach 4 Monaten 92 % lahmfrei.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die periarterielle Sympathektomie/Fasziolyse offensichtlich zu einer gesteigerten Durchblutung der Pferdezehe führt. Die bisherigen klinischen Ergebnisse weisen darauf hin, dass diese Therapieform gegenwärtig eine der langfristig wirksamsten und erfolgreichsten Methoden zur Behandlung des Podotrochlose- und Sesamoidose-Syndroms darstellt.
 

Anschrift der Verfasser:

TA Heinz Jaugstetter
Dr. Reinhard Jacobi
Pferdeklinik Barkhof
Siemensstraße 4
27367 Sottrum
Telefon 0 42 64/34 13
Telefax 0 42 64/33 12

Prof. Dr. Lutz-F. Litzke
Chirurgische Veterinärklinik - Chirurgie des Pferdes und Lehrschmiede
Justus-Liebig-Universität Gießen
Frankfurter Straße 108
D-35392 Gießen
Telefon 06 41/993 85-71
Telefax 06 41/993 85-79
eMail chirurgie-des-pferdes@vetmed.uni-giessen.de






Möglichkeiten der nuklear-medizinischen

Diagnostik und Therapie

Prof. Dr. Dr. Richard Bauer

Klinik für NuklearmedizinJustus-Liebig-Universität Gießen





Nuklearmedizinische Diagnoseverfahren werden in der Veterinärmedizin zur Abklärung der Schilddrüse und der Leberfunktion bei Kleintieren und in der Diagnose von Erkrankungen des Bewegungsapparats beim Hund und Pferd angewandt.Szintigraphische Untersuchungsverfahren haben einen sehr hohen Informationsgehalt bezüglich funktioneller Veränderungen. Aufgrund physikalisch-technischer Limitationen ist die morphologische Aussage auf eine Auflösung von 5-8 mm beschränkt. Deshalb wird in der Humanmedizin die Morphologie radiologisch untersucht, während die Szintigraphie die komplementäre Funktionsaussage liefert.Bei Erkrankungen des Bewegungsapparates von Pferden sind die Extremitäten radiologischen Untersuchungen gut zugänglich. Nur eingeschränkt oder radiologisch nicht untersuchbar sind die großen Gelenke und der Bereich des Beckens. Röntgenstrahlen herkömmlicher Energie werden beim Durchgang durch eine 3-4 cm dicke Schicht von Wasser oder Weichteilgewebe um einen Faktor 2 abgeschwächt, weshalb eine Aufnahme des 40-50 cm dicken Beckens nicht möglich ist.Bei der Skelettszintigraphie lagern sich knochenaffine Substanzen im Knochen an. Zwischen Knochen und ipsilateraler Körperoberfläche liegen nur wenige cm Gewebe, die Gammastrahlen von 140 keV (Technetium 99-m) nur wenig abschwächen. Umgekehrt wird das Signal der Gegenseite, das die Interpretation stören könnte, durch die große Schicht dazwischen liegenden Weichteilgewebes nahezu vollkommen absorbiert. Im Vergleich zum Menschen sind knöcherne Strukturen des Pferdes deutlich größer, weshalb die beschränkte Auflösung eine wenig störende Limitation darstellt. Somit kann die Skelettszintigraphie am Pferd immer zwei Fragen beantworten, zum einen die veränderte Funktion des Knochenstoffwechsels, zum andern aber auch die Morphologie.In der Humanmedizin können mit der Skelettszintigraphie Veränderungen des Bewegungsapparats erkannt werden, lange bevor sie durch eine radiologische Veränderung sichtbar gemacht werden, z.B. Stressfrakturen oder Entzündungen. Diese Fragen und der Nachweis degenerativer Veränderungen sind Indikationen für die Szintigraphie der distalen Extremitäten des Pferdes.In der Therapie gewinnt die Radiosynoviorthese (RSO), die Verödung der entzündlich veränderten Synovia durch ionisierende Strahlung, zunehmend an Bedeutung in der Humanmedizin. In der Behandlung von Pferden gibt es seit wenigen Jahren ebenfalls erste Erfahrungsberichte. In der Humanmedizin wird die Indikation zur RSO im allgemeinen nach positiver Skelettszintigraphie gestellt. In Zukunft ist geplant, die RSO auch am Pferd nach entsprechender skelettszintigraphischer Diagnostik vorzunehmen.
 

Anschrift des Verfassers:

Prof. Dr. med. Dr. rer. nat. Richard Bauer
Zentrum für Radiologie
Abt. Nuklearmedizin
Justus-Liebig-Universität Gießen
Friedrichstraße 25
D-35385 Gießen
Telefon 06 41/994 19-00
Telefax 06 41/994 19-01
eMail richard.bauer@radiol.med.uni-giessen.de






Eine Information des Unternehmens Bayer Vital GmbH & Co. KG

Die intravenöse Injektion von Hyaluronsäure (Hyonate®)

Dr. Eva Pietschmann

Bayer Vital GmbH & Co. KG

Geschäftsbereich Tiergesundheit





Primäres Ziel der Therapie von Gelenkerkrankungen ist, das Gelenk schnellstmöglich wieder zur physiologischen Norm zurückzubringen, d.h. die volle Einsatzfähigkeit des Tieres zu erreichen. Hierfür müssen die degenerativen Prozesse im Gelenk gestoppt und die Reparation der veränderten Gewebe und der Synovia gefördert werden.Es ist allgemein anerkannt, dass Hyaluronsäure die Leukozyten als räumliche Barriere an der Auswanderung aus den Kapilaren in das Gelenk behindert, die Synoviozyten zur Hyaluronsäureproduktion anregt, die Gleitfähigkeit des Gelenks verbessert und zusätzlich einen entzündungshemmenden Effekt hat. Hyaluronat wird schnell und effektiv über die Lymphbahnen aus der Synovia eliminiert und schädliche Substanzen, die an seinen hydrophoben Kern gebunden sind, werden dabei abtransportiert (Smith and Gosh, 1987).Hyonate® ist das einzige Hyaluronsäurepräparat, das in einem mikrobiologischen Bio-Fermentationsprozess hergestellt wird, was zu einem höchstmöglichen Reinheitsgrad führt und so die intravenöse Applikation erlaubt. In eine Studie von Kawcak et al. (1997) aus den USA mit experimentell induzierter Arthritis wird eindeutig demonstriert, dass die intravenöse Verabreichung von Hyaluronsäure die PGE2, GAG und Gesamtproteinkonzentration in der Synovia reduziert, dass Zellinfiltration und Gefäßeinschießung in die Synovialmembran vermindert werden und sich der Lahmheitsgrad verringert. Man geht davon aus, dass die intravenöse Gabe von Hyaluronsäure spezielle Rezeptoren, und zwar die Rezeptoren CD44, anregt. Durch die Stimulierung dieser Rezeptoren wird auf der einen Seite die endogene Produktion von Hyaluronsäure durch Synoviozyten und auf der anderen Seite ein gewisser entzündungshemmender Effekt erreicht.Nach Ansicht von Herrn Prof. Mc Ilwraith ist die gute intravenöse Wirkung von Hyaluronsäure dadurch gegeben, dass die Synovialmembran sehr gut durchblutet ist. Da die Synoviozyten zur eigenen Nährstoffversorgung nahe an den Gefäßen liegen, ist dadurch ein schneller und direkter Kontakt der Synoviozyten zur intravenös verabreichten Hyaluronsäure gewährleistet. Dagegen wird intraartikulär applizierte Hyaluronsäure in der Synovia verdünnt und von den Entzündungsmediatoren abgebaut; durch Diffusion muss das Hyaluronat erst an die Synovialmembran gelangen um dort seine Wirkung entfalten zu können.Obwohl wenige kontrollierte Daten darüber vorliegen, wissen wir, dass Hyonate® gerade bei Rennpferden oft metaphylaktisch, d.h. nach sehr hohen Belastungen eingesetzt wird, wo man mit Mikroläsionen im Gelenkbereich rechnen kann. Die Hyonate®-Applikation hat dabei die Zielsetzung, den Reparaturprozess des Gelenkes zu beschleunigen und es gar nicht erst zu größeren Schädigungen kommen zu lassen. Nach einer neuen Untersuchung von Mc Ilwraith (1998) wurden 140 Zweijährige über einen Zeitraum von neun Monaten alle zwei Wochen mit Hyonate® intravenös behandelt. Bei der Hyonate®-Gruppe konnte man im Vergleich zur Placebo-Gruppe geringere Anfälligkeit und bessere Rennergebnisse feststellen. Um gesicherte Daten über den metaphylaktischen Einsatz zu bekommen, sind allerdings weitere Untersuchungen notwendig.
 

Anschrift des Verfassers:

Dr. Eva Pietschmann
Bayer Vital GmbH & Co. KG
Geschäftsbereich Tiergesundheit
51368 Leverkusen
Telefon 02 14/30-1
www.bayervital.de






Eine Information des Unternehmens Hoechst Roussel Vet. GmbH

Infektionsschutz des Pferdes bei Atemwegserkrankungen

Dr. Peter Hinsberger

Hoechst Roussel Vet. GmbH





Die häufig nur auf wenige Stunden pro Woche beschränkte Arbeit vieler Pferde bringt es mit sich, dass die Lunge nicht ausreichend trainiert wird und die Randbezirke nur mangelhaft beatmet werden. Bedauerlicherweise werden die Anfänge dieses Befundes oft bereits im Fohlenalter gesetzt durch nicht oder zu spät erkannte Infektionen des Atmungsapparates: Es kommt zu Schleimhautschädigungen mit verstärkter Schleimabsonderung und Blockade der Lungenbläschen mit daraus sich ergebender Behinderung des Sauerstoffaustausches. Als die bedeutendsten Erreger von Atemwegserkrankungen beim Pferd gelten insbesondere Influenza- und Herpesviren.

Pferdeinfluenza

Die Pferdeinfluenza ist eine sehr ansteckende Virusinfektion der Atmungsorgane. Rötung der Nasenschleimhäute, klarer Nasen- und Augenausfluss, hohes Fieber (bis 42°C) sowie trockener, hohler Husten sind die charakteristischen Krankheitssymptome. Die Pferdeinfluenza tritt besonders bei Sportpferden beziehungsweise in Reitvereinen auf. Das Zusammentreffen von Pferden aus unterschiedlichen Betrieben, der Stress durch Transport und erhöhte Leistung begünstigen die Ansteckung beziehungsweise den Ausbruch der Erkrankung im Zusammenhang mit reitsportlichen Veranstaltungen. Junge Pferde, die vom Zuchtbetrieb in den Trainingsbetrieb wechseln, sind besonders gefährdet. Die Deutsche Reiterliche Vereinigung (FN) hat dieser Tatsache Rechnung getragen, indem sie ab dem Jahr 2000 für Turnierpferde eine halbjährliche Wiederholungsimpfung gegen Influenza verlangt.

Herpes-Virus-Infektion beim Pferd

Derzeit unterscheiden wir vier verschiedene Equine Herpesvirus (EHV)-Infektionen mit jeweils spezifischen Erregern:

- Krankheit: Virusabort, Erreger: EHV1 (RHV4)

- Krankheit: Hornhaut-/Bindehautentzündung (Cytomegalie des Pferdes), Erreger: EHV2

- Krankheit: Deckexanthem (Kiotalexanthem), Erreger: EHV3

- Krankheit Rhinopneumonitis, Erreger: EHV4/EHV1

Von den vier Virustypen sind allerdings nur das EHV1 sowie das EHV4 in der Pferdezucht und -haltung von großer Bedeutung. Diese beiden Virustypen können (in unterschiedlichem Ausmaß) sowohl den Atmungsapparat als auch den Geschlechtsapparat oder das Zentralnervensystem befallen und somit unterschiedliche Verlaufsformen der Erkrankung bedingen:

- Erkrankung der Atemwege: Hauptsächlich verursacht durch EHV4 (besonders bei Fohlen und Absetzern), aber auch durch EHV1

- Virusabort: Hauptsächlich verursacht durch EHV1, vereinzelt durch EHV4

- Zentralnervöse Störungen (Lähmungen, Festliegen): Verursacht durch EHV1, möglicherweise auch durch EHV4

Um die durch EHV-Infektionen bedingten Verluste - seien es Aborte oder Festliegen, insbesondere aber die Leistungsminderung in der Folge von Atemwegserkrankungen - einzudämmen, müssen wir die Besonderheiten der Erreger zur Kenntnis nehmen und unsere Vorbeugemaßnahmen auf diese Besonderheiten abstimmen.

Viraler Pferdehusten

Nach heutigem Wissensstand ist der infektiöse Pferdehusten nur mit wenigen Ausnahmen das Resultat einer Infektion mit nur einem Erreger. In den meisten Fällen liegen dem "Husten" Mischinfektionen zugrunde, bei denen Influenza- und Herpesviren als sogenannte Leitkeime zwar im Vordergrund stehen, diese jedoch von weiteren Erregern begleitet und in der hustenauslösenden Wirkung unterstützt werden. Diese infektiöse Seite des Hustens wird allerdings durch die Einwirkung von nicht-infektiösen Stressfaktoren aus der Umwelt des Pferdes verstärkt. Diese Art von Infektionskrankheiten wird heute als "Infektiöse Faktorenkrankheit" bezeichnet.

Möglichkeiten des Schutzes vor Virus-Infektionen des Pferdes

Um die überragenden Fähigkeiten des Pferdes in Kraft, Schnelligkeit und Ausdauer auch nutzen zu können, besteht für seinen Besitzer geradezu die Pflicht, insbesondere den Atmungsapparat in optimaler Funktion und Leistungsfähigkeit zu erhalten. Dank der Fortschritte in der Medizin verfügen wir inzwischen über Präparate, die eine überzeugende Krankheitsvorbeugung ermöglichen. Mit der Verfügbarkeit von Kombinationsimpfstoffen, welche die Leitkeime sowie zusätzliche Hustenerreger als Impfantigene in abgestimmtem Mischungsverhältnis enthalten, wird dem derzeitigen Wissensstand um die Faktorenkrankheit "Pferdehusten" in praxisgerechter Form Rechnung getragen. Zur Erlangung eines optimalen Schutzes ist auch für diese Impfstoffe erforderlich, dass nach Grundimmunisierung die Wiederholungsimpfungen in den empfohlenen Zeitabständen konsequent eingehalten werden und sämtliche Pferde eines Bestandes in das Impfprogramm einbezogen werden. Im Interesse aller Beteiligten sollte angestrebt werden, dass an pferdesportlichen Veranstaltungen ausschließlich korrekt geimpfte Pferde teilnehmen. Auf längere Sicht gesehen sind mit dieser Maßnahme sowohl Behandlungskosten als auch vorzeitige Verluste wertvoller Pferde zu minimieren. Bei genauer Einhaltung des Impfschemas dieser Kombinationsimpfstoffe sind auch die Vorgaben der FN bez. Influenza mit erfüllt.
 

Anschrift des Verfassers:

Dr. Peter Hinsberger
Hoechst Roussel Vet. GmbH
Feldstraße 1a
85716 Unterschleißheim
Telefon 0 89/310 06-0
Telefax 0 89/310 06-327
eMail phinsber@HRVet.COM
www.hoechst.de






Eine Information des Unternehmens Karl Storz Endoskope GmbH & Co. KG

Endoskopie: In der Humanmedizin bewährt

- in der Veterinärmedizin immer bedeutender

Dr. Reglind Hühn

Karl Storz Endoskope GmbH & Co. KG





Was für den Menschen entwickelt wurde, lässt sich in der Tierwelt häufig auch sinnvoll einsetzen. Für die Endoskopie gilt dies fast uneingeschränkt. Im Bereich Pferdemedizin sind jedoch auch spezielle Instrumentarien notwendig. Deshalb entwickelt die Firma Karl Storz spezielle Instrumente für den Veterinärbereich.Die Arthroskopie und immer mehr auch die Laparoskopie gehören mittlerweile zum Alltag in der Pferdemedizin.Deshalb bietet die Firma Karl Storz ein in den USA begonnenes Continuing education program weltweit zur Endoskopie am Tier an. So hat sich im Bereich Arthroskopie die Zusammenarbeit mit Professor Wayne Mc Ilwraith bereits zu einer festen Institution entwickelt. Die Pferdechirurgie der Justus-Liebig-Universität Gießen ist unter Leitung von Prof. Dr. Lutz-F. Litzke in diesen Prozess der Weiterbildung als Universität eingegliedert.Die neuesten Entwicklungen auf dem Gebiet Pferdechirurgie betreffen die endoskopische Operation des Fessel-Ringbandes und die besseren Heilungsergebnisse von Gelenkerkrankungen durch Mikrotraumatisationen des Gelenkknorpel. Die speziell hierfür entwickelten Instrumente ermöglichen einen minimalinvasiven Eingriff bei einer immer größer werdenden Anzahl von Indikationen.
 

Anschrift des Verfassers:

Dr. Reglind Hühn
Karl Storz Endoskope GmbH & Co. KG
Mittelstraße 8
78532 Tuttlingen
Telefon 0 74 61/708-0
Telefon 0 74 61/708-377
Internet http://www.karlstorz.de







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                        Chirurgische Veterinärklinik - Chirurgie des Pferdes und Lehrschmiede -
                        Justus-Liebig-Universität Gießen
                        Frankfurter Straße 108
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Chirurgische Veterinärklinik
- Chirurgie des Pferdes und Lehrschmiede -
Justus-Liebig-Universität Gießen
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