Im Blutplasma vieler Säugerspezies
werden hohe Konzentrationen sulfatierter Steroide gemessen, welche die
Spiegel der entsprechenden nicht-konjugierten Steroide z.T. erheblich
übersteigen. Die Sulfatkonjugation von Steroiden geht einher mit
einer deutlichen Erhöhung der Wasserlöslichkeit und damit
dem Verlust des passiven Diffusionsvermögens durch biologische
Membranen, einer Reduktion des Verteilungsvolumens sowie einem kompletten
Wirkungsverlust an den klassischen nukleären Rezeptoren. Daher
wurden konjugierte Steroide in der Vergangenheit primär als inaktive
Endprodukte auf dem Weg zur Ausscheidung betrachtet. Durch spezifische
Transportsysteme wie den in Gießen erstmals beschriebenen Sodium-dependent
Organic Anion Transporter (SOAT), können sulfatierte Steroide jedoch
in spezifische Zielzellen importiert und dann durch die Steroidsulfatase
wieder in die freie biologisch wirksame Form überführt werden.
Trotz der seit langem bekannten zentralen Rolle der Steroidsulfatase
im Steroidmetabolismus der Humanplazenta und der derzeit hochaktuellen
Forschung zur Bedeutung sulfatierter Steroide für das Wachstum
hormonabhängiger menschlicher Mammakarzinome, ist deren Bedeutung
im physiologischen Reproduktionsgeschehen bei Mensch und Haussäugern
bisher noch kaum untersucht und verstanden. Das Ziel der Forschergruppe
„Sulfatierte Steroide im Reproduktionsgeschehen“ ist daher
die Charakterisierung des Metabolismus, des zellulären Im- und
Exports und der Aktivierung von sulfatierten Steroiden in den männlichen
und weiblichen Reproduktionsorganen.

Die
Abbildung zeigt (1) die Synthese von Steroidhormonen aus Cholesterin,
(2) die freie Diffusion von unkonjugierten Steroiden über die Plasmamembran
und (3) deren Bindung an nukleäre Rezeptoren, (4) den Carrier-vermittelten
Import von sulfatierten Steroiden über SOAT und (5) deren Umwandlung
in freie Steroide durch die Steroidsulfatase (StS) sowie (6) die Sulfokonjugation
und den (7) Carrier-vermittelten Export sulfatierter Steroide. Die Konzentration
freier und sulfatierter Steroide kann sowohl im Plasma, als auch im
zellulären Milieu analytisch bestimmt werden.
Redaktion Christoph Zimmermann 28.11.2011 10:33 -
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